Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Paradies? (Teil 2 von 2)

  last edited: Mon, 08 Aug 2016 10:33:36 +0200  
von F. Roger Devlin (2016)

Es ist schwieriger, verallgemeinernde Aussagen über die Situation der Juden im maurischen Spanien zu machen. Das westgotische Gesetz hinsichtlich der jüdischen Gemeinschaft war streng und darauf angelegt, sie mit der Zeit zum Verschwinden zu bringen. Dementsprechend bildeten die Juden, wie oben erwähnt, eine Zweckallianz mit den moslemischen Invasoren. Jedoch war die Position der Juden im frühen maurischen Spanien selbst nach der Herabsetzung auf einen Dhimmi-Status (vor der Invasion der Almoraviden von 1085) günstiger, als sie es unter den christlichen Westgoten gewesen war.

Manche moslemischen Herrscher fanden es praktisch, jüdische Beamte anzustellen, nachdem sie anders als wohlgeborene Moslems gänzlich von der königlichen Gunst abhängig blieben und somit leicht zu kontrollieren waren. Daher wurde z. B. ein jüdischer Gelehrter namens Hasdai (gest. ca. 970) zum de-facto-Außenminister von Kalif Abd-al-Rahman III und war ein aktiver Wohltäter und Beschützer der jüdischen Gemeinschaft. Rabbi Samuel Ibn Naghrela (993 – 1056) wurde als Wesir des Herrschers von Granada zum mächtigsten Juden in der Geschichte des maurischen Spanien und erwarb sich den hebräischen Titel HaNagid („Der Fürst“).

Aber solche begünstigten Juden waren auch dem Groll der moslemischen Bevölkerung ausgesetzt. Es ist dokumentiert, dass Samuel Ibn Naghrela regelmäßig von einem moslemischen Kaufmann beleidigt wurde, wann immer er durch die Tore von Granada ritt. Sein Dienstgeber wurde zum Gegenstand eines satirischen Gedichtes:

Er hat einen Ungläubigen als seinen Sekretär ausgewählt,
als er, hätte er es gewollt, einen Gläubigen hätte wählen können.
Durch ihn sind die Juden groß und stolz geworden
und arrogant – sie, die zu den Elendsten gehörten.
Und wie viele würdige Moslems gehorchen demütig
dem abscheulichsten Affen unter diesen Schurken?

Naghrelas Sohn Joseph, ebenfalls ein hochrangiger Beamter, wurde bei den antijüdischen Unruhen getötet, die 1066 in Granada ausbrachen.

Rabbi Isaac Ibn Albalia entkam selbigen Ausschreitungen und wurde Hofastrologe des moslemischen Herrschers von Sevilla, al-Mutamid. Aber derselbe al-Mutamid kreuzigte einen jüdischen Gesandten, der von Alfons VI. von Kastilien geschickt worden war, weil ihm die Forderungen nicht gefielen, die der Mann überbrachte. Ganz eindeutig hat die gelegentliche aus eigennützigen Gründen erfolgte Anstellung jüdischer Beamter durch moslemische Herrscher nichts mit dem modernen Ideal der „religiösen Toleranz“ zu tun.

Moderne jüdische Historiker heben gerne die Karrieren mächtiger jüdischer Beamter im maurischen Spanien hervor, aber derselbe Zeitraum erlebte auch zahlreiche antijüdische Krawalle, Vertreibungen und Ermordungen. Wie der jüdische Historiker Bernard Lewis geschrieben hat: „Das Goldene Zeitalter der gleichen Rechte ist ein Mythos, und der Glaube daran war eher ein Ergebnis als eine Ursache der jüdischen Sympathie für den Islam.“ (Nota bene: Fernandez-Morera erwähnt in einer Fußnote, daß jüdische Arabisten eine wichtige Rolle bei der „Verbreitung eines enthusiastischen Bildes vom islamischen Spanien“ gespielt haben.)

Anders als Christen und Moslems genossen Juden dieses Zeitraums nie die Macht, andere Religionen zu verfolgen, aber dies sollte uns nicht zur Fehlvorstellung führen, daß sie „toleranter“ als die Moslems oder Christen der Zeit gewesen wären. Es gab jüdische – wenngleich nicht durchsetzbare – Gesetze, die es Nichtjuden verboten, in einem hypothetischen jüdischen Königreich öffentliche Ämter zu besetzen, sowie auch Nichtjuden verboten, jüdische Sklaven zu besitzen. Jüdische Schriften aus dem maurischen Spanien enthalten nicht nur wütende Anprangerungen sowohl des Christentums als auch des Islams, sondern auch von häretischen jüdischen Sekten wie die Karäer (die die Autorität des Talmud nicht anerkannten).

Die Almoraviden, die Andalusien im Jahr 1085 eroberten, setzten dem Zeitalter der jüdischen Wesire ein Ende. In späteren Jahren suchten viele andalusische Juden Zuflucht in den christlichen Königreichen des nördlichen Spanien.

Aber wenn wir einräumen, daß die moslemische Toleranz gegenüber anderen Religionen ein Mythos ist, was ist dann mit dem Leben innerhalb der spanischen Moslemgemeinschaft selbst? Die Realitäten des täglichen Lebens im maurischen Spanien werden am besten von Gesetzestexten der Zeit widerspiegelt, Texten, die von Enthusiasten der romantischen Vision vom andalusischen Paradies weitgehend ignoriert worden sind. Die spanischen Moslems folgten der malikitischen Schule der Rechtsprechung, einer der strengeren der sunnitischen Rechtsschulen. Vertreter anderer Schulen wurden manchmal zwangsweise aus Spanien vertrieben, und Anhängern der malikitischen Schule war es verboten, mit ihnen zu verkehren oder sie auch nur zu grüßen.

m islamischen Denken gibt es keine Unterscheidung zwischen den Sphären der Religion, der Rechtsprechung und der Moral. Fernandez-Morera beschreibt die vormodernen islamischen Gesellschaften als „Hierokratien“, in denen sowohl die religiöse als auch die zivile Autorität von einer Priesterklasse ausgeübt wird. „An keinem anderen Ort innerhalb des islamischen Imperiums“, schreibt er, war der Einfluß islamischer Kleriker auf das tägliche Leben so stark wie in al-Andalus.“

Zu den Funktionen der islamischen Kleriker gehörte ausdrücklich auch die Sicherstellung, daß Moslems sich in religiös angemessener Weise verhielten… immer in Übereinstimmung mit islamischen Lehren und in Ausübung täglicher ritualistischer Details, wie sie von den Klerikern interpretiert wurden. Zum Beispiel müssen die Gläubigen vor jedem der fünf täglichen Gebete detaillierte Reinigungen der Hände, der Nase (innen und außen durch Einatmen und Ausatmen), des Gesichts, der Arme bis zu den Ellbogen und der beiden Füße bis zu den Knöcheln ausführen.

Ähnlich detaillierte Vorschriften regelten das Essen und den Beischlaf.

Musik war durch das malikitische Gesetz verboten. Moslemische Kleriker waren ermächtigt, jedes Haus zu betreten, wo Musik zu hören war, um die Instrumente zu beschlagnahmen und zu zerstören. Bis zum heutigen Tag, merkt der Autor an, „ist Musik, wann immer man sie in malikitischen Moscheen hört, auf den Klang des Tamburins beschränkt – eines Instruments, das nicht zum Schreiben großartiger Musikpartituren verführt.“ Schach, Backgammon und Würfelspiele waren ebenfalls verboten.

In den öffentlichen Räumen der Städte dieses Goldenen Zeitalters des Islam patrouillierten religiöse Funktionäre, die „muhtasib”, die die Befugnis hatten, die Scharia im persönlichen, sozialen und kommerziellen Verhalten der Menschen durchzusetzen.

So detailliert und ausführlich waren die Regeln, denen Moslems unterworfen waren, daß es zweifelhaft ist, ob sie in ihrem Alltagsleben größere Freiheit genossen als Christen oder Juden (obwohl sie gewiß einen höheren Status genossen). „In Gesetz und Praxis des mittelalterlichen malikitischen Islam“, schreibt Fernandez-Morera, „verleiht höherer sozioökonomischer Status in Wirklichkeit weniger Autonomie und Macht in der öffentlichen Arena (was westliche Wissenschaftler allgemein als ‚Freiheit’ betrachten).“ Die spanische moslemische Obrigkeit machte sich nicht die Mühe, bestimmte Vorschriften gegen nichtmoslemische Sklaven durchzusetzen: Christliche Sklavenmädchen z. B. durften singen und Musikinstrumente spielen, und ein arabischer Chronist erwähnt, daß Mädchen mit solchen Talenten einen hohen Preis einbrachten.

Vielleicht veranschaulicht nichts besser die Fremdheit des islamischen Denkens gegenüber westlichen Vorstellungen von Freiheit als genau dieser Umstand: daß die einzige Klasse von Menschen, die ein gewisses Maß an Freiheit von der unterdrückerischen und detaillierten Anwendung des islamischen Gesetzes in Spanien genossen, Sklaven waren, und sie genossen solche Freiheit genau deshalb, weil sie die verachtetsten Mitglieder der Gesellschaft waren. Die moslemischen Männer, die den Gesang christlicher Sklavenmädchen genossen, hätten ihren moslemischen Ehefrauen niemals ein solches Verhalten erlaubt. Freiheit ist niemals ein positiver Wert im Islam, der Unterwerfung bedeutet.

Moslemische Frauen in Andalusien waren genauso aus der öffentlichen Sphäre verbannt und der Beschneidung und Verschleierung unterworfen wie Frauen anderswo in der moslemischen Welt. Sie durften nicht für sich sprechen; ein männlicher Agent vertrat sie in allen Rechtstransaktionen. Die Zeugenaussage einer Frau wurde bei Gerichtsverfahren, in denen es um Blutvergießen ging, nicht akzeptiert, und bei anderen Gerichtsverfahren zählte sie halb so viel wie die Zeugenaussage eines Mannes. Wie Dhimmis mußten Frauen in Anwesenheit von Männern stehen. Auspeitschung war die normale Bestrafung für unehelichen Geschlechtsverkehr, während Ehebrecherinnen gesteinigt wurden. Sexuelle Sklaverei war üblich. Und doch hat nichts davon westliche Wissenschaftler daran gehindert, vom „überraschenden Ausmaß der Freiheit“ zu schwärmen, das Frauen in Andalusien genossen.

Andere Enthusiasten der romantischen Vision vom mittelalterlichen islamischen Feminismus haben Erwähnungen in den arabischen Quellen von Frauen, die in diesem oder jenem Fach gelehrt waren, aufgegriffen. Ein gewisser John G. Jackson hat geschrieben:

Im christlichen Europa waren neunundneunzig Prozent der Menschen Analphabeten, und selbst Könige konnten weder lesen noch schreiben, während es im islamischen Spanien maurische Frauen gab, die Ärzte und Anwältinnen und Professorinnen waren.

Solche Frauen waren entweder Sklavinnen, die ihre Studien als Teil der Ausbildung betrieben, der sie unterzogen wurden, statt aus ihrem eigenen freien Willen, oder sie waren die Töchter gelehrter moslemischer Männer, die ihr Wissen zu Hause aufschnappten. Die spanische Arabistin María Luisa Ávila relativiert solche Erwähnungen:

Hinter diesen gebildeten Frauen finden wir immer einen Vater, der intellektuelles Prestige hatte: die „fuqaha” [Expertinnen für religiöses Recht] waren Töchter von „qadis” [moslemischen Richtern] oder von berühmten Juristen; die Traditionistinnen [die die „Hadithen” auswendig lernten, die Mohammed zugeschriebenen Aussprüche] waren Töchter irgendeines Hadith-Experten; die einzige Medizinerin, von der wir wissen, gehörte zur gefeierten Familie der Avenzoar.

Wir müssen es vermeiden, uns von diesen einhundertsechzehn „gelehrten“ Frauen beeindrucken zu lassen… Viele werden nur wegen der familiären Verbindungen erwähnt; andere dafür, daß sie irgendwelche klugen Verse geschrieben haben; es gibt eine Anzahl von Kopistinnen; andere werden erwähnt, weil sie Teil irgendeiner Anekdote über männliche Persönlichkeiten waren.

Es ist deplaziert, so zu tun, als hätten hispano-arabische Frauen Freiheit genossen. Im Gegenteil, es ist logisch, aus den Beweisen zu folgern, daß im sozialen Bereich, in dem sich diese „gelehrten“ Frauen bewegten, abgesehen von Sklavenmädchen, ihr Leben ausschließlich innerhalb des Familienkreises verbracht wurde, und daß ihre Beziehungen auf ihre Eltern und auf andere Frauen begrenzt waren.

Aber hat der Islam nicht wenigstens eine wichtige Rolle bei der Bewahrung des klassischen Wissens und dessen Weitergabe an Westeuropa gespielt? Nein, sagt Fernandez-Morera:

Die antiken griechischen Texte waren nie „verloren“, um irgendwie von islamischen Gelehrten „gerettet“ und „weitergegeben“ zu werden, wie so viele akademische Historiker und Journalisten weiterhin schreiben; diese Texte waren immer da und wurden von den Mönchen und Laienwissenschaftlern des griechisch-römischen [oder „byzantinischen“] Imperiums bewahrt und studiert zu werden.


Manche Werke von Aristoteles wurden in der Spätantike ins Lateinische übersetzt, und um das Ende des zwölften Jahrhunderts waren all seine Schriften zur Logik in Westeuropa wohlbekannt. Der französische Historiker Sylvain Gouguenheim (Aristote au mont Saint-Michel, 2008) hat vor kurzem die Bedeutung von Mont Saint-Michel als Übersetzungszentrum hervorgehoben – und wurde als „Islamophober“ verdammt.

Arabische Wissenschaftler hatten im Gegensatz dazu keine Griechischkenntnisse; die Versionen, die sie von antiken wissenschaftlichen und philosophischen Werken lasen, waren „arabische Übersetzungen, die von christlichen Gelehrten aus syrischen Übersetzungen angefertigt wurden, welche ebenfalls von christlichen Gelehrten aus klassischen griechischen Texten erstellt wurden, die von den griechischen Gelehrten des christlichen griechisch-römischen Imperiums bewahrt wurden.“

Viele arabische Herrscher mißbilligten überhaupt das Studium solcher Werke. Motiviert von religiösem Eifer, befahl der berühmte maurische Herrscher al-Mansur (938 – 1002) „die öffentliche Verbrennung aller Philosophie- und Logikbücher in Cordoba.“ Ein Chronist dokumentiert:

Wer immer diese Wissenschaften [Philosophie] studiert hatte, wurde als einer betrachtet, der zu Heterodoxie neigt, und der Häresie verdächtigt. Die meisten jener, die bis dahin Philosophie studiert hatten… bekamen Angst und hielten die Tatsache geheim, daß sie in dem Fach Bescheid wußten.

Die Hauptwirkung der islamischen Expansion auf die Weitergabe griechischer Texte war, daß sie die Kommunikation zwischen dem lateinischen Westen und dem griechisch-römischen Imperium weit schwieriger machte. Wie Fernandez-Morera anmerkt:

Natürlich fand weiterhin kultureller und besonders kommerzieller Austausch zwischen Ost und West statt, und nun weitgehend über das islamische Imperium, aber das geschah nicht wegen der zivilisatorischen Eigenschaften des mittelalterlichen Islam, sondern weil der mittelalterliche Islam die direkte Kommunikation überhaupt erst unterbrochen hatte.

Sogar die großartige maurische Architektur, die von modernen Spanientouristen bewundert wird, verbirgt einen Ursprung, der für ihre Erbauer nicht schmeichelhaft ist. Der Islam hat nur wenig einheimische Architekturtradition: er begann als eine Religion der Nomaden der arabischen Wüste, die wenige dauerhafte Bauwerke irgendwelcher Art hatten. Als sich die Religion jedoch ausbreitete, wandelte sie christliche Gotteshäuser in Moscheen um und begann allmählich die römisch-christliche Architektur in ihren eigenen Bauten zu imitieren. Ibn Khaldun weist darauf hin, daß in Nordafrika die von den Arabern selbst gebauten Konstruktionen wegen der Schlampigkeit der Araber, schlechter Materialien und Mangel an bautechnischen Kenntnissen nicht sehr lang hielten.

In Spanien bauten moslemische Herrscher, indem sie Säulen und andere Baumaterialien von römischen und westgotischen Kirchen kannibalisierten. Arabischen Quellen zufolge war z. B. vieles an der Großen Moschee von Cordoba „mit den Materialien abgerissener Kirchen gebaut, die auf den Köpfen der christlichen Gefangenen nach Cordoba gebracht wurden.“ Sogar die Technik des Abwechselns von rotem Ziegel und weißem Stein, die beim Bau der Bögen dieses gefeierten Juwels maurischer Architektur angewandt wurde, ist von einer römischen Technik namens opus vittatum mixtum übernommen, die immer noch an überlebenden römischen Aquädukten in Spanien zu sehen ist. Die Mosaiken der Moschee sind von Griechen gemacht.

Popularisierer des Mythos vom andalusischen Paradies heben gern all die Dinge hervor, die wir aus der Geschichte des maurischen Spanien „lernen“ können, aber bei näherer Untersuchung stellen diese sich als nichts weiter als die Prinzipien heraus, an die solche Autoren bereits ohne irgendwelche historischen Studien glauben möchten: Toleranz, Feminismus und Multikulturalismus. Warum sollte irgend jemand sich die Mühe machen, Arabisch zu lernen und die Aufzeichnungen des mittelalterlichen Spanien zu studieren, um herauszufinden, daß Frauen unabhängig, Religionen tolerant und unterschiedliche Kulturen in der Lage sein sollten, in Harmonie nebeneinander zu leben, wenn man all diese Dinge leicht durch Lesen der New York Times erfahren kann? Solch eine Geisteshaltung bietet keine „Lektionen aus der Vergangenheit“; sie garantiert, daß wir nie in der Lage sein werden, irgend etwas aus dem Studium der Vergangenheit zu lernen.

Schlimmer noch: manche Wissenschaftler erhöhen diesen gegenwartszentrierten historischen Narzissmus zu einer Sache des Prinzips. Nach Ansicht einer einflußreichen Denkschule sollten Wissenschaftler beim Herangehen an die Vergangenheit heutige Anliegen fest im Kopf haben, statt zu versuchen, die Vergangenheit aus sich selbst heraus zu verstehen. Manche akademische Verfechter des „andalusischen Paradieses“ äußern sich völlig freimütig zu ihrem Wunsch, Geschichtswissenschaft im Dienst des zeitgenössischen multikulturellen Projekts einzusetzen.

Ein fester Bestandteil dieses akademischen Trends ist ein bewußter Versuch, den Westen abzuwerten, was, wie Fernandez-Morera sagt, „oft in einer Verleugnung von dessen bloßer Existenz gipfelt.“ Nach dieser Sichtweise ist der „Westen“ (der immer in Anführungszeichen gesetzt wird), eine bloße essentialistische Konstruktion: die von Moslems im achten Jahrhundert unterworfene christliche spanische Bevölkerung hatte nicht genug mit christlichen Populationen jenseits der Pyrenäen oder anderswo gemeinsam, daß gerechtfertigt wäre, sie alle als Teile einer einzigen zivilisatorischen Einheit zu betrachten, die man „den Westen“ oder „Christenheit“ nennen könnte. Der Islam entgeht unerklärlicherweise sowohl dem Setzen zwischen Anführungszeichen als auch dem Vorwurf, eine essentialistische Konstruktion zu sein.

Die zeitgenössische Geschichtsschreibung betreffend das moslemische Andalusien ist daher nur noch eine Front im großen Kampf unserer Zeit: jenes unserer im Niedergang befindlichen weißen europäischen Zivilisation gegen eine Vielzahl von Feinden, sowohl inneren wie äußeren.

Quelle: www.theoccidentalobserver.net/2016/03/moorish-spain-a-successful-multicultural-paradise-part-2/

https://morgenwacht.wordpress.com/2016/04/02/das-maurische-spanien-ein-erfolgreiches-multikulturelles-paradies-teil-2/
Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Paradies? (Teil 1 von 2)

  last edited: Mon, 08 Aug 2016 10:10:15 +0200  
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von F. Roger Devlin (2016)

Der aus Kuba stammende Dario Fernandez-Morera ist Privatdozent für Spanisch und Portugiesisch an der Northwestern University. Er hat zuvor American Academia and the Survival of Marxist Ideas (1996) veröffentlicht, sowie zahlreiche Texte über die Literatur von Spaniens Goldenem Zeitalter.

In diesem neuen Buch greift er eine der meistgeschätzten Illusionen der antieuropäischen Linken an, nämlich, daß al-Andalus, oder das maurische Spanien (711 – 1492 n. Chr.) eine erfolgreiche multikulturelle Gesellschaft war, in der Christen, Juden und Moslems gemeinsam unter dem toleranten Auge aufgeklärter islamischer Herrscher eine Blütezeit erlebten. Diese angeblichen glücklichen Zeiten werden sowohl dem westgotischen Königreich, das ihnen voranging, als auch dem darauffolgenden Spanien der Inquisition positiv gegenübergestellt.

So populär ist das romantische Bild vom aufgeklärten moslemischen Spanien geworden, daß es von solch angesehenen Geschichtswissenschaftlern wie Barack Obama und Tony Blair öffentlich unterstützt worden ist. Tatsächlich haben die Europäer laut Prof. David Levering-Lewis eine goldene Gelegenheit verpaßt, indem sie bei der Schlacht von Tours im Jahr 732 n. Chr. nicht verloren. Wenn nur Karl Martell unterlegen wäre, schreibt er,

wäre der nachrömische Okzident wahrscheinlich einem kosmopolitischen moslemischen „regnum” einverleibt worden, das unbehindert von Grenzen gewesen wäre… ohne eine Priesterkaste, beseelt vom Dogma der Gleichheit der Gläubigen, und respektvoll gegenüber allen religiösen Glaubensrichtungen.

In einer zweihundertvierzigseitigen Darstellung, untermauert durch sechsundneunzig eng bedruckten Seiten mit Fußnoten, zerstört Fernandez-Morera methodisch dieses optimistische multikulturelle Lehrbeispiel mittels zahlreicher Verweise auf die Primärdokumente: Schriften von Moslems, Christen und Juden, die tatsächlich unter der islamischen Herrschaft in Spanien lebten. Die Gesamtwirkung der Beweise, die er anführt, sollte genügen, um jedem unvoreingenommenen Beobachter zu beweisen, daß das maurische Spanien, wenn auch nicht schlimmer als andere moslemisch kontrollierte Gesellschaften seiner Zeit, auch nicht besser war.

Das erste, was man begreifen muß, ist, daß die moslemische Invasion von 711 n. Chr. nicht einem kulturellen Ödland die Aufklärung brachte:

Spanien stand länger unter römischer Kontrolle und römischem Einfluß als jedes westliche Land außerhalb Italiens und brachte mehr lateinische Schriftsteller und Kaiser hervor als jede andere römische Provinz. Die Westgoten waren das romanisierteste all der Völker, die das lateinische römische Reich übernahmen. Westgotische Führer sprachen Latein und hatten Generationen im militärischen und politischen Dienst an Rom verbracht.

Tatsächlich kamen westgotische Streitkräfte im Jahr 415 n. Chr. erstmals nach Spanien, um den Römern militärisch gegen weniger zivilisierte germanische Stämme wie die Sueben, Alanen und Wandalen zu helfen. Die drei folgenden Jahrhunderte sahen die allmähliche Vermischung der römischen und germanischen Elemente zu einer neuen christlichen, hispano-westgotischen Zivilisation. Zu den wichtigen Schritten in diesem Prozess gehörten die Zulassung von Mischehen zwischen Westgoten und Hispano-Römern durch die Gesetze von König Leovigild (Herrschaft 568 – 586) und die Bekehrung seines Sohnes und Nachfolgers Rekkared vom Arianismus zum katholischen Christentum, der Religion der einheimischen Mehrheit, im Jahr 589.

Die neue Zivilisation wies eine Fülle von sakraler Kunst und Musik auf, sowie

gelehrte Männer wie St. Leander (der eine Anzahl von Jahren lang im griechisch-römischen Reich lebte und das Dritte Konzil von Toledo leitete), Bischof Eugen von Toledo (Experte für Mathematik und Astronomie), Conantius von Palencia (Experte für Musik) und der Dichterkönig Sisebut (der ein astronomisches Gedicht auf Latein schrieb). St. Isidor [Bischof von Sevilla] (560 – 636) schrieb linguistische Studien, Abhandlungen über Naturwissenschaft und Kosmologie, Biographien biblischer Persönlichkeiten, Geschichtswerke und Kompendien der griechisch-römischen Zivilisation und wurde zum meistzitierten Autor des europäischen Hochmittelalters.

Das westgotische Recht zeigte auch eine typisch europäische Sorge um die Begrenzung der Macht des Herrschers. Abschnitte des Gesetzbuches trugen z. B. Titel wie „Die königliche Macht, wie auch die Gesamtheit des Volkes, sollten der Majestät des Gesetzes untertan sein“ und „Wie die Habgier des Königs beschränkt werden sollte.“

Während sich in Spanien eine vielversprechende spanisch-westgotische Zivilisation entwickelte, wurde der Islam inmitten der Zelte weitgehend analphabetischer beduinischer Nomaden auf der Arabischen Halbinsel geboren. In der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts überrannten moslemische Krieger die Nordküste Afrikas und zerstörten die christlichen Königreiche, die es dort zuvor gegeben hatte. Im Jahr 711 setzte eine großteils berberische moslemische Armee unter dem Befehl von Musa bin Nusayr nach Spanien über und eroberte innerhalb von zehn Jahren fast die gesamte Halbinsel.

Arabische Chroniken dokumentieren das Erstaunen der unkultivierten moslemischen Invasoren über die Pracht der spanischen Städte und befassen sich liebevoll mit den „unvorstellbaren“ Schätzen von Gold und Juwelen, die die Eroberer wegschleppen konnten. Ein arabischer Chronist hält z. B. fest, daß der Eroberer Musa, als er Damaskus besuchte, um dem Kalifen zu huldigen,

all die Beute mitführte… die aus dreißig Häuten voller Gold- und Silbermünzen bestand, aus Halsbändern von unschätzbarem Wert, Perlen, Rubine, Topase und Smaragde, nebst kostbaren Roben aller Art; im folgten elfhundert Gefangene, Männer, Frauen und Kinder, von denen vierhundert Prinzen von königlichem Blut waren.

Als Reaktion auf die Plünderei vergruben viele Christen wertvolle religiöse Kunstwerke vor den Invasoren, und Archäologen graben gelegentlich immer noch solche Zeugnisse der fortgeschrittenen materiellen Kultur des westgotischen Spanien aus.

Die moslemischen Invasoren von 711 waren den Einheimischen zahlenmäßig weit unterlegen, und viele Historiker haben ihre Überraschung über ihren schnellen Erfolg ausgedrückt. Zu den Faktoren, die ihnen in die Hände spielten, gehörte die Unfähigkeit der Westgoten, sich schnell zu sammeln, und die Existenz einer unzufriedenen königlichen Fraktion, die bereit war, mit den Invasoren gemeinsame Sache gegen König Roderich zu machen.

Spanische Juden, die von den christlichen westgotischen Herrschern bedeutenden rechtlichen Einschränkungen unterworfen worden waren, verbündeten sich ebenfalls mit der Invasionsarmee in der Hoffnung, ihre Lage zu verbessern. Eine Zeitlang hatten sie Erfolg damit: Juden wurden für die Bewachung eingenommener Städte eingesetzt, während die Moslems zu neuen Eroberungen weiterzogen, was die Eroberer der Sorge um den Schutz ihres Hinterlandes enthob und es ihnen ermöglichte, unerwartet an strategischen Schlüsselstellen zu erscheinen. Sobald die Moslems jedoch fest die Kontrolle innehatten, wurden die Juden auf eine Stellung ähnlich jener der Christen verwiesen.

Moslemische Befehlshaber boten christlichen Herren, die einwilligten, keinen Widerstand gegen die Invasion zu leisten, „Pakte“ an, und erlaubten ihnen, ihre Länder, Diener und Religion zu behalten – für eine Weile. Wie bei den Juden brachen die moslemischen Herrscher diese Abkommen, sobald das für sie zweckmäßig wurde. Der einzige Grund, warum sie überhaupt angeboten wurden, war die zahlenmäßige Schwäche der Invasoren; sie sind kein Anzeichen für moslemische „Toleranz“.

Andalusische Gesetzestexte geben uns eine Vorstellung davon, wie die Eroberung gewesen sein mußte, indem sie klarstellen, daß sowohl das Niederbrennen als auch das Überfluten von Ortschaften der Ungläubigen als Teil des Dschihad zulässig waren. Genauso das „Fällen ihrer Bäume und das Abschneiden ihrer Früchte, das Töten ihrer Tiere und die Zerstörung ihrer Gebäude und von allem, das abgerissen werden kann.“ Ob man die Besiegten am Leben ließ oder massakrierte, lag gänzlich beim siegreichen moslemischen Befehlshaber; es gibt eine Anzahl aufgezeichneter Fälle von ausgesprochener Vernichtung.

Eine christliche Chronik beschrieb die Eroberung wie folgt:

Die Feinde verwüsteten das Land, sie verbrannten die Häuser, sie töteten, die Männer, sie verbrannten die Städte; die Bäume, die Weingärten und alles Grüne das sie fanden, schnitten sie nieder. So sehr wuchs diese Plage, daß in Spanien kein gutes Dorf und keine gute Stadt verblieb … die von den Mauren nicht niedergebrannt oder zu Fall gebracht oder eingenommen wurde; und die Städte, die sie nicht erobern konnten, überlisteten sie und nahmen sie mit falschen Verträgen ein.

Viele modernen Historiker bemühen sich zu bestreiten, daß die moslemische Invasion Spaniens (die sie eine bloße „Espansion“ zu nennen vorziehen) religiös motiviert war. Dieser Sichtweise widersprechen alle mittelalterlichen Quellen. Aber die zeitgenössische akademische Welt hängt stark einer materialistischen Geschichtsinterpretation an, die vom Marxismus herstammt, und Wissenschaftler mit dieser Tendenz ziehen es vor, wirtschaftliche Faktoren wie das Streben nach Beute hervorzuheben.

Aber es ist schwierig, im Rahmen des islamischen Denkens wirtschaftliche von spirituellen Motivationen zu trennen: der moslemische Soldat gewinnt Beute, falls er erfolgreich heimkehrt, und ihm wird ein Paradies voller sinnlicher Genüsse versprochen, falls er getötet wird. Märtyrertum für die Sache des Islam wird von andalusischen Autoren sehr gepriesen; laut einem von ihnen sagte Mohammed selbst: „Ich würde gerne auf dem Weg Allahs kämpfen… und getötet werden, und dann wieder zum Leben erweckt werden, so daß ich wieder getötet werden könnte, dann zum Leben erweckt, so daß ich getötet werden könnte.“

Die vielen Apologeten des Islam im Westen haben sehr viel interpretative Findigkeit aufgewandt, um einen Fall auszumachen, wo das Wort Dschihad sich auf etwas anderes bezieht als auf „Heiliger Krieg gegen Ungläubige“, wie „spirituelle Anstrengung“ oder „innerer Kampf um Selbstvervollkommnung“. Solche Vorstellungen findet man in Sufi-Texten späteren Datums, scheinen aber im mittelalterlichen Andalusien völlig gefehlt zu haben: der Autor zählt über ein Dutzend Schlüsseltexte aus dem maurischen Spanien auf, die den Dschihad ausschließlich im Sinne des Heiligen Krieges behandeln.

Ein weiterer Schachzug der Islamapologeten ist die Gleichsetzung des moslemischen Heiligen Krieges mit den christlichen Kreuzzügen; aber Fernandez-Morera erläutert, warum dies der Analyse nicht standhält:

Für fromme Christen war der heilige Krieg eines Kreuzzuges „ein einmaliges Ereignis, das nur ein Papst proklamieren konnte”. Für fromme Moslems war der heilige Krieg des Dschihad „ein vom islamischen Recht verfügter Dauerzustand”, etwas, das der Kalif mindestens einmal im Jahr führen muß.

Vier Jahrzehnte lang nach der Eroberung führten die siegreichen Berber weiterhin ein primitives Nomadenleben und beförderten ihre Besitztümer und Ehefrauen von Ort zu Ort. Erst im Jahr 755 befahl ihnen der Emir von Cordoba, Dörfer zu bauen und seßhaft zu werden.

Der folgende Zeitraum wird als Umayyadendynastie bezeichnet (756 – 1031), die für gewöhnlich als der Höhepunkt der andalusischen Zivilisation angeführt wird. In Wirklichkeit „erhoben die Umayyaden religiöse und politische Verfolgungen, Inquisitionen, Enthauptungen, Pfählungen und Kreuzigungen zu Höhen, die von keiner anderen Herrschergruppe davor oder danach in Spanien erreicht wurden.“

Der arabische Historiker Ibn Khaldun aus dem vierzehnten Jahrhundert hat dies über jene frühen arabischen Herrscher zu sagen:

Die Araber waren ungehobelt, ohne Bildung, und nicht sehr geschickt in den Künsten des Schreibens und der Mathematik. Besonders ihre Adeligen konnten sehr wenig, weil unter ihnen ein Mangel an Wissen ihre hervorstechende Eigenschaft war. Daher setzten sie Juden, Christen und befreite Ausländer ein, um ihre Verwaltungsangelegenheiten zu regeln.

Diese von praktischer Notwendigkeit motivierte Verwendung von Christen und Juden als Administratoren ist einer der Punkte, den moderne Historiker sich schnappen, im ihre Sicht auf die moslemischen Herrscher in Spanien als „tolerant“ zu rechtfertigen. Aber die alltägliche Realität für die meisten spanischen Christen und Juden unter islamischer Herrschaft war etwas ganz anderes.

Nach der Eroberung von 711 erhielten Nichtmoslems die Wahlmöglichkeit zwischen der Konvertierung, dem Getötetwerden oder der Annahme des Status als Dhimmis, einer „geschützten“ Klasse, die eine besonders Steuer namens jizya zahlen mußte. Das Gesetz dieser Zeit macht klar, daß ein Zweck der jizya die Erniedrigung der „Menschen des Buches“ war. So wurde sie bezahlt:

Der stehende „Dhimmi” pflegte das Geld dem moslemischen Eintreiber vorzulegen, der erhöht auf einer Art Thron saß; dieser moslemische Bürokrat hielt den „Dhimmi” an der Kehle und sagte ihm: „Oh ‚Dhimmi’, Feind Allahs, zahle die ‚jizya’, die du uns für den Schutz und die Toleranz schuldest, die wir dir gewähren“; die anderen anwesenden Moslems pflegten den Eintreiber nachzuahmen und stießen den „Dhimmi” herum. Zu diesem amüsanten Schauspiel sollte jeder Moslem zugelassen sein, der es genießen wollte.

Fernandez-Morera kommentiert: „Das System der Dhimma war also eine gangsterartische ‚Schutzgeldmasche’, die für die moslemischen Herrscher recht profitabel war.“ Diese Profitabilität ist der Hauptgrund, warum spanische Moslems es vorzogen, keine richtiggehenden Sklaven aus Christen und Juden zu machen. Alle Arten anderer Steuern konnten ebenfalls noch auf die jizya draufgehäuft werden, um den protzigen Lebensstil der moslemischen Herrscher zu erhalten und Dichter, Intellektuelle, Sklaven, Paläste, Harems und Stadtverschönerungsprogramme zu subventionieren.

Viel vom islamischen Gesetz dreht sich um die Konzepte der Reinheit und Unreinheit, und Nichtmoslems werden als Hauptquelle der Unreinheit betrachtet. Die malikitische Rechtsschule, die den Großteil des Zeitraums der maurischen Herrschaft in Spanien in Kraft war, widmet viel Aufmerksamkeit den Problemen von Wasser, Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln, die von Christen berührt wurden. Es war z. B. verboten, Wasser zu verwenden, das von einem Christen übriggelassen worden war, oder für Waschungen irgend etwas zu verwenden, das ein Christ berührt hatte, oder Nahrung zu essen, die von einem Christen übriggelassen worden war. Es wurde als nicht ratsam betrachtet, auch nur ein Tier zu essen, das ein Christ erjagt hatte.

Die moslemischen Reinheitsanforderungen bedeuteten, daß in der Praxis Christen und Juden den Großteil der Zeit physisch auf ihre eigenen Viertel beschränkt bleiben mußten, und Schriften aus dem maurischen Spanien enthalten zahlreiche Verweise auf solche separaten Viertel. Interaktionen scheinen weitgehend auf Wirtschaftstransaktionen beschränkt gewesen zu sein.

Den Vorschriften zufolge, die von einem moslemischen Kleriker in Sevilla erlassen wurden (ca. 1100), mußten Juden und Christen

verabscheut und gemieden werden und sollten nicht mit der Formel „Friede sei mit dir“ gegrüßt werden, denn der Teufel hat Herrschaft über sie gewonnen und hat sie den Namen Gottes vergessen lassen. Sie gehören zur Partei des Teufels. Sie müssen ein Unterscheidungszeichen haben, durch das sie zu ihrer Schande erkannt werden.

Christen mußten in Anwesenheit von Moslems als Zeichen des Respekts stehen. Es war ihnen  verboten, Waffen zu tragen oder Pferde zu reiten. Es war ihnen normalerweise verboten, neue Kirchen zu bauen, und sie brauchten eine Erlaubnis, um auch nur bestehende Kirchen zu reparieren. Sie durften keine Moscheen in Kirchen umwandeln, aber Kirchen konnten in Moscheen umgewandelt werden und wurden es oft. Der Muezzin rief die Moslems laut zum Gebet, aber Kirchen war verboten, ihre Glocken zu läuten. Christen durften Kreuze weder an ihrem Körper noch an der Außenseite ihrer Kirchen zu zeigen. Moslems durften missionieren, aber Christen nicht. Ein Moslem durfte nicht nur bis zu vier Frauen heiraten, sondern auch so viele Sex-Sklavinnen halten, wie er erhalten konnte. Letztere mußten nicht moslemisch sein, aber jegliche von ihnen geborenen Kinder mußten moslemisch erzogen werden. Christlichen Männern andererseits war es verboten, sich moslemische Ehefrauen oder Konkubinen zu nehmen. All diese Vorschriften galten auch entsprechend für Juden.

Es gab gelegentlich Ausbrüche des Widerstands seitens der unterworfenen Bevölkerung, die immer mit rücksichtsloser Gewalt unterdrückt wurden. Die berühmteste derartige Episode war jene der Märtyrer von Cordoba. Im Jahr 850 n. Chr. wurde ein Mönch namens Perfectus von einige Moslems zu erläutern ersucht, was das Christentum über Mohammed lehrte. Er antwortete, daß ihnen die Antwort vielleicht nicht gefallen könnte. Als sie darauf beharrten, ließ er sich von ihnen versprechen, daß sie niemandem etwas sagen würden. Er zitierte dann die Passage aus dem Evangelium, in der Christus warnt: „Viele falsche Propheten werden in meinem Namen kommen“, und erklärte, daß Christen Mohammed als solch einen falschen Propheten betrachten. Einige Tage später erblickten dieselben Moslems Perfectus in der Stadt und machten eine Menge von Moslems auf ihn aufmerksam, wobei sie sagten, er hätte den Propheten beleidigt. Er wurde ins Gefängnis geworfen, verhört und schließlich enthauptet.

Im folgenden Jahr ging ein Mönch namens Isaak nach Cordoba und erklärte in Anwesenheit eines moslemischen Richters, daß Mohammed ein falscher Prophet und der Islam eine falsche Religion sei. Er wurde öffentlich enthauptet und seine Leiche an einem der Stadttore verkehrt herum aufgehängt.

Diese Ereignisse ließen eine Bewegung entstehen. Innerhalb von ein paar Jahren erklärten etwa fünfzig Christen öffentlich ihren Glauben an Christus, und daß Mohammeds angeblich göttliche Mission ein Schwindel sei. Einige wurden geköpft, andere gepfählt, andere zu Tode gegeißelt, andere lebendig gekocht. Unter diesen Märtyrern befand sich eine Anzahl, die öffentlich zum Islam konvertiert war, während sie privat weiter das Christentum praktizierte – nach islamischem Gesetz die schlimmste Form der Apostasie.

Der Herrscher Abd al-Rahman II reagierte, indem er christliches Eigentum beschlagnahmte und Schritte unternahm, um das Leben für alle Christen schwierig zu machen. Auf Anraten moslemischer Kleriker berief er ein Kirchenkonzil in Cordoba ein, das unter Druck den Christen befahl, nicht nach Märtyrertum zu streben. Schließlich lief die Bewegung sich tot.

Die Märtyrer von Cordoba haben von modernen Historikern wenig Sympathie erhalten, die sie „Unruhestifter“ und „Selbstopferer“ nannten:

Schon Reinhard Dozy im neunzehnten Jahrhundert und [Evariste] Lévi- Provençal  im frühen zwanzigsten und Wissenschaftler bis zur Gegenwart haben typischerweise die Handlungen der Märtyrer als die törichten Entscheidungen religiöser Fanatiker bezeichnet, von widerspenstigen und ignoranten Mönchen und ihren gedankenlosen Anhängern. In einer repräsentativen Aussage nannte ein Wissenschaftler den christlichen Widerstand das Werk „einer unnachgiebigen Minderheit, die überhaupt nicht gewillt war, in friedlicher convivencia und in Respekt gegenüber dem Islam zu leben.“ […] Die Andeutung ist klar: diese Leute hätten gegenüber der toleranten moslemischen Obrigkeit dankbar sein sollen.

Diese Haltung würde man „dem Opfer die Schuld geben“ nennen, wären die Opfer irgend jemand außer europäischen Christen.

Viele Christen flohen in die christlichen Königreiche des Nordens (obwohl moderne Historiker es vorziehen, von einer „Migration“ statt einer „Flucht“ zu sprechen). Um 1200 waren wenige Christen in Andalusien übrig.

Quelle: http://www.theoccidentalobserver.net/2016/03/moorish-spain-a-successful-multicultural-paradise/

https://morgenwacht.wordpress.com/2016/03/29/das-maurische-spanien-ein-erfolgreiches-multikulturelles-paradies-teil-1/